Vom 17. bis 19. April 2026 fand in Hamburg der 3. Internationale ADHS-Kongress der AG ADHS zum Schwerpunktthema „ADHS in der Adoleszenz” statt. Wir waren dabei und hatten eine tolle Gelegenheit, mehr vom aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zu erfahren und unsere beratende und lerntherapeutische Arbeit zu bereichern.
Das Programm bot ein buntes Spektrum an Workshops und Vorträgen, die uns mit ihrer hohen Qualität überzeugten. Die Themenvielfalt reichte von Medikation und Vulnerabilität in der Jugendphase über Suchtpotential bis hin zu konkreten Strategien im Umgang mit Prokrastination und – äußerst relevant für uns: Lernen. Rückblickend ziehen wir ein positives Fazit dieser drei Tage.
Wissenschaftliche Impulse und Praxisbezug
Sehr wertvoll waren z.B. die Informationen und aktuellen Studien zur ärztlichen Versorgungslage sowie die differenzierte Betrachtung medikamentöser und nicht-medikamentöser Ansätze. Besonders freuten wir uns darüber, dass auch Fabian Grolimund Teil des Programms war. Er und seine Kollegin Stefanie Rietzler überzeugen uns schon länger mit ihrer Haltung rund um das Thema ADHS und Lernen. Sein praxisnaher Vortrag und Workshop auf dem Kongress waren durch viele hilfreiche Anregungen gelungen und nachhaltig inspirierend. So hat einiges direkt Einzug in unseren Arbeitsalltag gehalten.
Insgesamt bestätigte der Kongress, wie wichtig fundiertes Wissen über Aufmerksamkeitsthemen ist und als Kernbestandteil zur Lerntherapie und Lernförderung gehören sollte.
Ein realistischer Blick auf ADHS und wirksame Begleitung von Familien
Auch zeigte sich im Kongresskontext, dass eine einseitige Verklärung von ADHS als „Superpower", wie sie zunehmend in sozialen Medien dargestellt wird, zu kurz greift und wie wirksam eine aufklärende und befähigende Begleitung von Familien im Alltag sein kann.
Wir können aus unserer Praxis bestätigen, dass viele Kinder mit ADHS spezifische Ressourcen mitbringen (z.B. Kreativität, Feinsinn und Sensibilität, besondere Begabungen oder ausgeprägte Persönlichkeiten). Doch diese individuellen Potenziale können nur dann zur Entfaltung kommen, wenn die oft belastenden Herausforderungen im Alltag bewältigt werden können. Ohne adäquate Unterstützung bleiben viele Kinder und Jugendliche mit ADHS hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Als Lerntherapeutinnen nehmen wir vermehrt diese begleitende und beratende Rolle der Familien wahr und können in einem sicheren Rahmen Diagnosen erläutern, individuelle Symptome besprechen und den Umgang damit sensibel begleiten. Wir sind dankbar für das Vertrauen der Familien.
Und nicht zuletzt: Auch Mythen wurden entlarvt! Die verfügbaren Daten belegen keine prozentuale Zunahme der Fälle. Vielmehr spiegelt die Statistik eine verbesserte Diagnostik wider, bei der insbesondere die lange bestehende Unterdiagnostik von Mädchen zunehmend aufgeholt wird.
Was wir mitnehmen
Aktuelle Erkenntnisse, Denkanstöße und Bestätigung unserer Arbeit. Es waren intensive, interessante und bereichernde Tage auf dem Kongress. Im Anschluss sind wir sehr motiviert wieder in den Schatzsucher-Alltag gestartet.
Bis zum nächsten Mal!